Anwendungsbeispiele | Projekte in den Bereichen Hydrologie, Meteorologie und Umweltüberwachung

Lokale Hochwasserwarnungen in Kötz und Bad Homburg, Deutschland

Geschrieben von Blog Team | Oct 1, 2026, 3:45:33 PM

Lokale Hochwasserwarnungen für mehr Resilienz in Kommunen

Hintergrund

Die zunehmende Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse veranlasst viele Kommunen dazu, ihre Strategien zur Hochwasserüberwachung und Gefahrenabwehr neu zu bewerten. Nationale Überwachungssysteme leisten dabei einen wichtigen Beitrag. Die Auswirkungen von Hochwasser sind jedoch häufig stark lokal geprägt, insbesondere in urbanen und stadtnahen Gebieten. Daher steigt der Bedarf an lokalen Hochwasserüberwachungs- und Frühwarnsystemen, die zeitnahe und praxisrelevante Informationen für Entscheidungen auf kommunaler Ebene bereitstellen.

Herausforderung

In vielen Regionen Deutschlands haben Starkregenereignisse, Oberflächenabfluss und überlastete Entwässerungssysteme in den vergangenen Jahren zu zunehmenden Überschwemmungen geführt. In Kommunen wie Kötz und Bad Homburg wird das Hochwasserrisiko zusätzlich durch lokale Gegebenheiten, beispielsweise Flusszusammenläufe und eine dichte Bebauung, verstärkt.

Gleichzeitig erschweren begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen regelmäßige Vor-Ort-Kontrollen. Gesucht wurde daher eine zuverlässige, aus der Ferne verwaltbare Überwachungslösung, die Hochwassergefahren frühzeitig erkennt und rechtzeitig Warnungen ausgibt.

Lösung

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, führten mehrere Kommunen gemeinsam mit Ott lokale Hochwasserüberwachungsnetze auf Basis kosteneffizienter und wartungsarmer Sensortechnologie ein.

Gemeinde Kötz, Bayern

Anfang 2024 installierte die Gemeinde Kötz drei Messstationen an hochwassergefährdeten Standorten entlang der Kötz und der Günz.

Zwei Stationen erfassen den Wasserstand mithilfe von Ott ecoLog 1000 Datenloggern, die in Pegelrohren am Gewässer installiert wurden. Eine dritte Station misst sowohl Niederschlag als auch Wasserstand. Sie besteht aus einem solarbetriebenen XLink 100 Datenlogger, der mit einem Ott  Pluvio² L Wägeniederschlagsmesser sowie einem Ott  PLS  Wasserstandssensor verbunden ist.

Alle Messstationen übertragen ihre Daten über Mobilfunkverbindungen an einen Cloud-basierten Server. Die Gemeindeverwaltung verwaltet und überwacht das System mithilfe der Software  Hydras  3  Net. Dort sind Schwellenwerte definiert, die bei Überschreitung automatisch Warnmeldungen an Einsatz- und Rettungskräfte auslösen.

Bad Homburg, Friedrichsdorf und Wehrheim

Zur gemeinsamen Bewältigung regionaler Hochwasserrisiken etablierten die Städte Bad Homburg, Friedrichsdorf und Wehrheim ein interkommunales Hochwasser-Frühwarnprogramm.

Im Jahr 2024 wurden fünf Messstationen installiert. Jede Station ist mit einem Ott netDL 500 Datenlogger und einem Mobilfunkmodem ausgestattet. Die Standorte erfassen Niederschlags- und Wasserstandsdaten mithilfe von Ott Pluvio² S  Wägeniederschlagsmessern sowie Ott  RLS  Radar-Wasserstandssensoren, die an Brücken montiert sind.

An ausgewählten Standorten kommen zudem kompakte Wetterstationen zum Einsatz, die Parameter wie Windgeschwindigkeit, Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Niederschlagsart erfassen.

Die Daten aller Stationen werden drahtlos in die Cloud übertragen und zentral über die Software Hydras 3 Net verwaltet. Darüber hinaus stehen Echtzeitdaten und Warnmeldungen den Bürgerinnen und Bürgern über Webportale zur Verfügung.

Ergebnisse

Die installierten Messnetze ermöglichen den Kommunen den Zugriff auf zuverlässige Echtzeitdaten zu Wetter- und Hochwassersituationen. Gleichzeitig werden automatisierte Warnmeldungen ausgelöst, sobald ein erhöhtes Hochwasserrisiko erkannt wird. Dies verbessert die Reaktionsgeschwindigkeit und liefert wichtige Entscheidungsgrundlagen für kommunale Verantwortliche und Einsatzkräfte.

In Kötz konnte das System bei Starkregenereignissen frühzeitig Warnungen ausgeben. Dadurch konnten Maßnahmen wie das Befüllen und Ausbringen von Sandsäcken, Straßensperrungen und Evakuierungen rechtzeitig vorbereitet und umgesetzt werden.

Unterschiedliche Wasserstandsschwellen lösen jeweils unterschiedliche Alarmstufen aus, sodass die Reaktionsmaßnahmen an die jeweilige Gefährdungslage angepasst werden können. Die Warnmeldungen werden automatisch per SMS an kommunale Verantwortliche und lokale Entscheidungsträger versendet.

Über die unmittelbare Gefahrenabwehr hinaus unterstützen die gesammelten Daten auch die langfristige Infrastrukturplanung sowie Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.

Fazit

Diese lokalen Hochwasserüberwachungsnetze zeigen, wie Kommunen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Hochwasserereignissen stärken können, wenn großräumige Warnsysteme nicht die für lokale Entscheidungen erforderliche Detailtiefe bieten.

Durch die Kombination aus digitaler Umweltüberwachung, intelligenter Sensortechnologie und zentralem Datenmanagement erhalten kommunale Entscheidungsträger zeitnah verwertbare Informationen. So lassen sich Einwohnerinnen und Einwohner, kritische Infrastrukturen sowie Einsatzkräfte besser schützen und auf zukünftige Hochwasserereignisse vorbereiten.